Torschütze des Monats

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Sebastian Wirth ausgezeichnet

Soviel Ballgefühl honorierten auch die anpfiff-Leser. Schließlich war der Flugball, der nach einem missglückten Torwartabschlag von Jonas Schramm in den Strafraum geschlagen wurde, nicht leicht anzunehmen – geschweige denn zu verarbeiten.

„Irgendwie ist es mir gelungen, dem Ball perfekt mitzunehmen. Und wenn ich das Ding auf dem Fuß habe, ziehe ich eben ab“, lässt Sebastian Wirth über die Entstehung des gekürten Treffers wissen. Dass die Kugel dann so sehenswert rechts einschlug, dazu brauchte es auch etwas Glück. Auch wenn der Frankenwalder in dieser Partie vorher schon getroffen hatte, bewegte er sich zuletzt eher auf ungewohntem Terrain. „Nach dem verletzungsbedingtem Ausfall unserer Torjägers Claus Krumpholz wollten wir es mit mir in der Spitze probieren. Wenn es nicht funktioniert, kann man ja immer noch umstellen.“ Zumindest an diesem Tag hat alles geklappt und am Ende konnte man sich über einen klaren 6:0-Sieg über Aufsteiger Wiesla Hof freuen.

Aus seiner Grafengehaiger Zeit kennt der gebürtige Kulmbacher auch seinen heutigen Trainer Fabian „Alu“ Rauh, der über Jahre bei der SpVgg Bayern Hof auf Bayernliganiveau gespielt hat. „Wie der sich reinhaut ist echt der Wahnsinn“, schwärmt Wirth. Rauh war es auch, der als damaliger Co-Trainer den Defensivmann mit Offensivqualitäten nach Selbitz lotste. Ein großer Sprung, obwohl With schon den Rückzug antreten wollte. „Mein Vater hatte früher beim VfB Helmbrechts gespielt und mir viel mit auf den Weg gegeben. Als er dann 2002 schon früh verstorben ist, wollte ich eigentlich mit dem Fußball aufhören. Dann habe ich von ihm aber eine Autogrammkarte aus seiner Bayernligazeit gefunden und mir gesagt, das machst du auch. Und als dann die Anfrage aus Selbitz kam, wollte ich es unbedingt probieren.“

Mit Erfolg. „Es hat eigentlich ganz gut gepasst. Nachdem der Mann, der ursprünglich für diese Position vorgesehen war, Herzprobleme hatte, durfte ich die linke Seite beackern.“ Nachdem der damalige Coach Michael Voigt ein System mit hoch stehenden Außenverteidigern bevorzugte, kam der Defensivmann, der in der Jugend auch Offensiverfahrung sammelte, zu einigen Torerfolgen. „Ich bin dann einfach durchgelaufen und habe die Dinger am zweiten Pfosten eingeschoben.“ In der Zeit bei der SpVgg hat ihn ein Mitspieler besonders fasziniert: „Was der Christian Schmidt am Ball gekonnt hat, war Wahnsinn.“ „Die Selbitzer Zeit war natürlich auch sehr hart. Oft hatten wir nicht das nötige Glück und sind schließlich abgestiegen“, erinnert sich der 28-Jährige. Danach wäre er gerne geblieben. „Aber der Verein hatte auf einen Neuaufbau mit jungen Kräften gesetzt.“ Über Jochen Kauper kam schließlich der Kontakt zum SSV Kasendorf zustande, der damals schon in der Landesliga vertreten war. „Dort ging es sehr viel familiärer als in Selbitz zu und nicht so stark leistungsorientiert.“ Zweieinhalb Jahre kickte er beim SSV, bis er nach Verletzungen seinen Stammplatz in der Innenverteidigung verlor.

Als dann sein Bruder Christoph, der damals schon Spielleiter bei den Frankenwaldern war, in der Winterpause anklopfte, musste der zentrale Abwehrmann nicht lange überlegen. Schließlich gab es dort auch ein Wiedersehen mit Fabian Rauh. Mit seiner neuen Mannschaft ging es für Sebastian Wirth gleich steil nach oben. In seiner zweiten Saison schaffte der Abwehrmann mit den Kollegen gleich den Sprung in die Kreisliga. Und dort konnte man sich zunächst schier mühelos behaupten. Dabei gelang ihm auch das aus seiner Sicht bisher schönste Tor gegen den späteren Meister Regnitzlosau. „Ich stand da am zweiten Pfosten und habe das Ding volley reingehämmert. Leider war kein anpfiff-Videomann vor Ort“, bedauert der schussgewaltige Sechser. Denn Nervenflattern kennt der Grafengehaiger nicht. „Wenn du unsicher bist, brauchst du es weiter oben erst gar nicht probieren.“ Diese Selbstsicherheit könnte sein Team im Moment dringend gebrauchen, denn im „verflixten zweiten Jahr“ und ohne den verletzten Kapitän und Torjäger Claus Krumpholz steht der Kreisligist nach der 0:3-Heimniederlage vom Wochenende vor harten Wochen. Doch Sebastian Wirth laboriert derzeit an einer Bänderverletzung und befindet sich zudem mit Familie in Mallorca. Dort will er die Blessur zunächst auskurieren und dann voll wieder angreifen. „Manchmal bin ich zu ehrgeizig. Der Einsatz trotz Schmerzen gegen Enchenreuth war zu früh und hat nichts gebracht.“ Aber mit der Einsicht und Reife gibt es für ihn vielleicht neue Aufgaben. Eine Trainerkarriere kann sich der Kunstschütze jedenfalls später durchaus vorstellen. „Wenn es der richtige Verein ist und ich einen vernünftigen Kader habe – warum nicht.“

Quelle: anpfiff.info

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